Georgenburse  
   

"Wer recht studieren wolle,

der gehe nach Erfurt!"

 

Martin Luther

 

"In Erfurt aber wurden die Keime gepflanzt, die Luther

zu unsterblicher Größe heranreifen ließen."

 

Johannes Biereye

Die Erfurter Bürgerschaft erhielt 1379 das erste Privileg für eine Universität im heutigen Deutschland. 1392 eröffnete die Alma mater Erfordensis mit allen vier Fakultäten (Philosophie, Medizin, Recht, Theologie) und entwickelte sich im 15. Jahrhundert zu einer der führenden Hochschulen Mitteleuropas. Luther sprach davon, dass sich dagegen alle anderen wie «kleine Schützenschulen» ausnähmen. Um 1500 wurde sie zu einem Zentrum des Humanismus und öffnete sich teilweise der Reformation. Gleichwohl war der Zenit ihrer Entwicklung überschritten. 1816 kam es zur Schließung der Universität, 1994 erfolgte ihre Wiedergründung.

 

Die Philosophische Fakultät erfüllte die Funktion eines Grundstudiums, ehe man eine der drei höheren Fakultäten besuchen konnte. Martin Luther durchlief den Kanon der dort gelehrten Sieben Freien Künste, weshalb man von der Artistenfakultät sprach (Artes = Künste: Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Musik, Astronomie). 1502 erreichte er den Grad eines Baccalaureus Artium, 1505 den eines Magister Artium. Er bekam sprachlich-philosophisches und naturwissenschaftliches Wissen vermittelt, das stark auf den Werken des Aristoteles fußte. Bedeutende Gelehrte wie Jodocus Trutvetter und Bartholomäus Arnoldi aus Usingen lehrten den Nominalismus Wilhelm von Ockhams.

 

Das mittelalterliche Studium spielte sich überwiegend in Kollegien und Bursen ab. Die bis zu 1000 Studenten der Universität Erfurt mussten in solchen klosterähnlichen Studien- und Wohnstätten Quartier nehmen. Die Kollegien waren angesehene Bursen, in denen zahlreiche Lehrende und Lernende gemeinsam lebten. Das Collegium maius etwa diente als Hauptsitz der Universität und Sitz der Philosophischen Fakultät. Die privaten Bursen waren dagegen kleiner.

Die bekannteste ist die Georgenburse an der Augustinerstraße. Ein Brief des Luther-Verwandten Dietrich Lindemann von 1526 belegt, dass der spätere Reformator hier vermutlich zwischen 1501 und 1505 als Bursale lebte: «Grüßt mir unseren Verwandten M. Luther, der als Baccalaureus mich einst zu Erfurt in der Georgenburse […] einige Tage freundlich aufnahm.» Auch wenn sich nicht sicher sagen lässt, ob er die ganze Studienzeit hier verbrachte, gehört die Georgenburse damit zu den wichtigsten Luther-Erinnerungsstätten. Die Georgenburse wird 1456 erstmals erwähnt und existierte bis Mitte des 16. Jahrhunderts. Wie alle Kollegien und größeren Bursen bestand die Georgenburse aus einem ganzen Gebäudekomplex. Im 20. Jahrhundert als Lutherort ins öffentliche Bewusstsein zurückgekehrt, bekam das erhaltene Gebäude im Lutherjahr 1983 sein heutiges Aussehen. Es geht in einzelnen Bauteilen bis ins 14. Jahrhundert zurück. 2010 öffnete die Georgenburse als Begegnungs- und Bildungsstätte «Studienort der Lutherzeit» mit ökumenischer Pilgerherberge wieder ihre Pforten. Sie wird, im Auftrag des "Freundeskreises Georgenburse e.V.", betreut von der Evangelischen Bruderschaft St. Georgs-Orden, die im Haus zugleich ihr Hauptbüro unterhält sowie die Wohnung des Kanzlers der Kommunität.

       
    Wartburg Kurier Johannistag 2014