Publikationen des Ordens

 

 
   

...wenn Gott Geschichte macht!

1989 contra 1789

 

GEORGIANA, Neue theologische Perspektiven, 1

(Herausgegeben von Ulrich Schacht und Thomas A. Seidel im Auftrag der Evangelischen Bruderschaft St. Georgs-Orden)

 

Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2015

 

200 Seiten, Paperback, 16,80 Euro

ISBN: 978-3-374-04132-9

 
       
   

In den Staaten Ostmitteleuropas und in der DDR vollzog sich1989/90 eine friedliche Revolution, die das kommunistische Herrschaftssystem stürzte. Ausgangspunkt des gewaltfreien Prozesses vor allem im SED-Staat waren vornehmlich Gruppen und Personen, die aus den evangelischen Kirchen stammten oder in den geschützten Räumen der Kirche Aufnahme fanden. Die christliche Signatur des Geschehens ist damit eine fundamentale Tatsache, aus der sich Fragen an die bisherige Deutungsgeschichte der Friedlichen Revolution ergeben.

Der dezidiert aus christlichem Ethos erwachsene Charakter dieser Revolution, der bahnbrechende Vorgänge in Polen um die katholische Gewerkschaftsbewegung »Solidarność« vorangegangen waren, hat dem Epochenereignis einen Charakter verliehen, der sich von den klassischen europäischen Gewaltrevolutionen radikal unterscheidet. Daher erscheint es geradezu zwingend, nach dem ideellen Grund der 1989er Revolution zu fragen – nicht zuletzt im Sinne theologischer Perspektiven, die an den scheinbar obsolet gewordenen Begriff der »Heilsökonomie« Gottes (Pannenberg) anknüpfen. Zu fragen ist also nach der Letztbegründung einer handlungsethisch qualifizierten Revolution wie der von 1989 in Differenz zu ihren blutigen Vorläufern. Ist die Friedliche Revolution von 1989 gar eine Antwort Gottes auf die geradezu konstitutive Gottes- und Menschenfeindschaft der in blutigen Herrschaftssystemen untergegangenen Revolutionen von 1789 und 1917?

 
       
    PRESSEURTEIL

"Der Tagungsband ist der Erstling einer neuen Reihe in Herausgeberschaft der Evangelischen Bruderschaft St. Georgs-Orden (St. GO). Mit seiner Titel gebenden geschichtstheologischen These '... wenn Gott Geschichte macht! 1989 contra 1789' beweist er Mut zur Provokation innerhalb des eingespielten Geschichtsdiskurses in Deutschland. Der Versuch, die Denkbarkeit eines Wirkens Gottes in diesen Diskurs zurückzuholen, wird durch einen Leitessay des Publizisten Ulrich Schacht eröffnet. Er bietet eine kurze Morphologie der Gegenpoligkeit von 1789 und 1989. Die Französische Revolution, begonnen unter den hehren Idealen von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, verkehrte diese Begriffe in die Offenbarung ihrer Schattenseite des 'Terreur' der jakobinischen Herrschaft. Sie wurde so zur Mutter aller weiteren Gewaltrevolutionen des 19. und 20. Jh.s aus ihrer Ambivalenz von weit in die Zukunft reichenden Ansätzen einer Vervollkommnung der menschlichen Gesellschaft und der im Namen dieses revolutionären Fortschritts propagierten und realisierten Gewalt unvorstellbaren Ausmaßes, am schrecklichsten in der Revolution der Bolschewiki ab 1917. Dieses Paradigma bestimmte die Theorie einer jeden Revolution in der Moderne. In dieser Denkweise erscheint die Friedliche Revolution von 1989 als ein nicht mögliches Ereignis. Das 'Dennoch' ihres Stattfindens stürzte die altbundesdeutsche Geschichtsphilosophie um die Habermas-Schule in erhebliche Deutungsschwierigkeiten. Die Frage, ob dies tatsächlich eine Revolution gewesen sei, blieb als zweifelhaft im Raum stehen, sekundiert von einer alltagssprachlichen Rezeption als 'Wende'. Das 'Erfurter Gespräch zur geistigen Situation der Zeit' diagnostizierte hingegen einen epochalen Paradigmenwechsel. 1989 sei das Zeitalter der Französischen Revolution zu Ende gegangen. Die Beiträger beschäftigen sich mit verschiedenen Perspektiven auf Aspekte des neuen Revolutionsparadigmas... Man muss nicht in allem mit den einzelnen Beiträgen mitgehen und kann sie doch Gewinn bringend lesen. Das Grundanliegen besteht letztlich nicht darin zu klären, ob Gott tatsächlich in der Geschichte wirke, weil es zu dieser Frage keine abschließende Antwort oder einen Konsens geben kann. Es geht vielmehr darum, die Friedliche Revolution von 1989 als neues Grundparadigma, als neuen christlich grundierten europäischen Aufbruch zu begreifen, der erkennbar gegen die bisherige, Schulbuch beherrschende Gründungsideolgie einer säkularen, säkularisierenden und vermeintlich durchweg 'fortschrittlichen' Französischen Revolution steht. Im Unterschied zu dieser blutigen Revolution von 1789 blieben 1989 und die Folgezeit aufgrund des bewussten Verzichts auf die große Menschheitsutopie - zu der es durchaus Ansätze gab - von den Abgründen gewaltsamer gesellschaftlicher Selektion befreit. So gesehen birgt das Buch provokatives Potential für eine breite geschichtspolitische Debatte. Allerdings bleibt fraglich, ob es mit diesem Anliegen die öffentliche Aufmerksamkeit erringen kann. Es würde jedenfalls den eingespielten säkularisierten Geschichtsdiskurs in erfrischender Weise durcheinanderwirbeln."

Andreas Lindner, Theologische Literaturzeitung, Juli/August 2016

 
       
       
         
   

Maria. Evangelisch

(Hrsg. Thomas A. Seidel/Ulrich Schacht)

Evangelische Verlagsanstalt / Bonifatius, Leipzig 2011

272 Seiten, Hardcover, 19,80 Euro

ISBN: 978-3-374-02884-9

 
       
   

Es war Paul Tillich, der große evangelische Theologe, der 1941 im amerikanischen Exil auf eine spezifische ­Schwäche des Protestantismus als Kirche des »prophetischen Protests« aufmerksam machte. Diese Schwäche sah er in einer Unterbewertung des sakramentalen Elements, denn »das Heilige«, so Tillich, sei nicht nur »Kriterium und Richter des Profanen«, sondern es gelte: Wo »das ­Heilige sichtbar gegenwärtig ist, da ist es die Quelle und das Maß alles Menschlichen«. Deshalb brauche der Protestantismus »das ständige Korrektiv des Katholizismus und den immerwährenden Zustrom seiner sakramentalen Elemente«. Mit dieser Einsicht gehen die Texte des schön gestalteten und bildreichen Buches den theo­logischen und künstlerischen Dimensionen einer ­evangelischen Wiederannäherung an Maria nach.

Martin Luther selbst, in seiner noch selbstverständlichen Nähe zur Mutter Jesu, hat die Autoren des Buches inspiriert. Mit seiner Magnificat-Auslegung von 1521 legt er faszinierende theologische und spirituelle Spuren, die – wie er selbst sagt – dazu dienen, »von großen Tatwerken Gottes zu singen, zu stärken unseren Glauben, zu trösten alle Geringen und zu schrecken alle hohen Menschen«.

 
       
   

PRESSEURTEIL

"Es ist beachtenswert, wenn aus dezidiert evangelischer Perspektive ein Buch über Maria erscheint ... Neben zehn Beiträgen [...] ist die Übersetzung und der tiefsinnige Kommentar zum Magnifikat, dem Lobgesang Mariens in Lukas 1,46-55 von Martin Luther abgedruckt ... Dieses Marienbild von Luther stellt die interpretative Leitlinie der spezifisch evangelischen Sicht auf Maria dar, was zu reflektieren ja Intention des Sammelbandes ist und in den einzelnen Beiträgen immer wieder aufleuchtet. Die Beiträge nehmen verschiedene theologische Zugänge zum Ausgangspunkt der Reflexion und bieten insgesamt einen guten Streifzug durch die Betrachtungsmöglichkeiten der facettenreichen Gestalt Mariens ... Wer sich als interessierter Laie mit den verschiedenen Ebenen der Maria vertraut machen möchte, ist mit diesem Band gut beraten."

Martina Bär, Glaube und Heimat 27. 11. 2011

 
       
         
       
   

Gott mehr gehorchen als den Menschen 

(Hrsg. M. Leiner, H. Neubert, Th. A. Seidel, Ulrich Schacht)


Christliche Wurzeln, Zeitgeschichte und Gegenwart des Widerstands

Vandenhoeck & Rupprecht, Göttingen 2005

358 Seiten, kartoniert, 39,90 Euro
ISBN: 978-3-89971-195-0 (V&R unipress)

 
       
   

Der Band vereinigt 18 Beiträge internationaler Wissenschaftler zum Thema des christlichen Widerstands. Behandelt werden u.a. die Wurzeln des christlichen Widerstands in der Bibel und im 16. Jahrhundert (Luther, Calvin, Täufer) und die Erfahrungen in den Diktaturen des 20. Jahrhunderts.

 
       
   

PRESSEURTEIL

"Tagungsbände sind häufig hybride Gebilde ... Sie dokumentieren durchweg lesenswerte und aufschlußreiche Beiträge und schaffen Schnittstellen zwischen Forschern ganz unterschiedlicher Disziplinen. Aber sie stellen kein kohärentes Ganzes dar. Was bei einer Tagung von Vorteil sein mag ... persistiert im gedruckten Endprodukt bestenfalls als Facetten- und Aspektenreichtum, der nur dann nicht stört, wenn man die Beiträge ... jeweils für sich liest. Tut man Letzteres, dann kann man in diesem Band auf viel Lohnenswertes stoßen. Dazu gehört zweifellos der dichte staatsphilosophische Überblick von Klaus Dicke ... In ganz anderer Weise fasziniert die Auseinandersetzung des Alttestamentlers (Uwe Becker) mit der Frage, ob es eine prophetische Opposition gegen das Königtum gegeben habe ... sowie die diversen Beiträge über theologische Bestimmungen des Verhältnisses von Glaube, weltlicher Obrigkeit und Recht auf Widerstand bei Luther und im Luthertum (Volker Stümke, Ulrich Schacht, Volker Leppin) ... "

                                                         Theologische Revue, Nummer 6, 2006  

 
       
       
       
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"Dienet einander..."

 

Festschrift zum 25. Gründungstag der Ev. Bruderschaft St. Georgs-Orden (1987-2012)

 

 

 

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Stundenbuch

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