Evangelische Bruderschaft St.Georgs-Orden (StGO) A.D. 1987

St_Georg

Kleine Geschichte der Evangelischen Bruderschaft St. Georgs-Orden

„Die Restauration der Kirche kommt gewiss aus einer Art neuen Mönchtums, das mit dem alten nur die Kompromisslosigkeit eines Lebens nach der Bergpredigt in der Nachfolge Christi gemeinsam hat. Ich glaube, es ist an der Zeit, hierfür die Menschen zu sammeln.“

(Dietrich Bonhoeffer, aus einem Brief vom 14. Januar 1935)

Die Evangelische Bruderschaft St. Georgs-Orden wurde im Frühjahr 1987 auf der dänischen Ostseeinsel Falster auf einem Hof in Marielyst gegründet. Die Gründungsmitglieder, zu denen neben Ulrich Schacht der Pfarrer Peter Voss und Jürgen K. Hultenreich zählen, stammten in der Mehrheit aus der damals noch existierenden zweiten deutschen Diktatur. Sie kannten sich zum Teil aus der Jugendarbeit der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs, hatten ausnahmslos im Widerstand zu den politischen Verhältnissen des SED-Staats gestanden, waren in unterschiedlicher Weise politischer Verfolgung ausgesetzt gewesen und aus diesem Grunde in den Westen Deutschlands ausgereist oder im Zuge des Freikaufs politischer Häftlinge dorthin gelangt. Zu den Erfahrungen in der Bundesrepublik der 70er- und 80er Jahre gehörte ein Kirchenalltag vor Ort, der sich in nahezu allen Zeitfragen primär linksliberal bis linksradikal konnotiert äußerte und nicht bereit war, von seinen kritiklos vorgetragenen Sozialismus-Hoffnungen durch vermittelte Erfahrungen mit dem „real existierenden Sozialismus“ abzulassen oder auch nur hinzuhören. Das bewirkte Entfremdungen, die dazu führten, dass sich die Gründungsmitglieder der Bruderschaft entschlossen, sozusagen auf neutralem, in diesem Falle dänisch-lutherischem Boden, christliche Gemeinschaftsformen zu entwickeln und zu praktizieren, die an ihre Erfahrungen in und mit der Kirche in der SED-Diktatur anschlossen. Zugleich nahmen sie ältere Traditionen streitbarer christlicher Gemeinschaft wie dem Deutschen Orden oder der Bekennenden Kirche der NS-Zeit auf.

Mit der Friedlichen Revolution 1989/90, dem Fall der Mauer und dem Zusammenbruch des SED-Staats, veränderten sich die Rahmenbedingungen für die Entwicklung der Bruderschaft grundlegend. Bis dahin hatte sie sich nach einem symbolischen Ort in Mecklenburg benannt und als „geistig-geistliche Gemeinschaft ritterlicher Tradition“ definiert. Mit Hilfe früherer kirchlicher Verbindungen kehrte sie nun nach (Ost-)Deutschland zurück und nahm Quartier auf einem Pfarrhof in Mecklenburg, dem ein Rüstzeitheim der Jugendarbeit angeschlossen war. Bald darauf trat sie in Verhandlungen mit dem Oberkirchenrat der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs, um den kirchenrechtlichen und kirchenorganisatorischen Status der Bruderschaft innerhalb der Landeskirche abzusichern. Die Verhandlungen – u.a. auch auf Bischofsebene – führten zu zweierlei Ergebnissen: Der endgültige Ordensname Evangelische Bruderschaft St. Georgs-Orden wurde gefunden, anknüpfend an das Patrozinium einer der Hauptkirchen Wismars, der Heimatstadt des Ordensgründers. Außerdem konnten die Ordensverfassung und die Ordensregeln im brüderlichen Gespräch weiterentwickelt und gebilligt werden.

Auf diesem Wege wurden das Selbstverständnis der Bruderschaft und ihr missionarischer Auftrag als biblisch gegründet, bekenntnisgemäß orientiert und als gemeindepraktisch legitim anerkannt. Neue, neugierige Mitglieder, sowohl aus der „alten“ Bundesrepublik, aber vor allem auch jüngere Brüder, die ausnahmslos aus den Reihen der DDR-Dissidenten kamen und zu Kritikern einer unkritischen „Kirche im Sozialismus in der DDR“ zählten, näherten sich der Bruderschaft an. In diese Phase fielen auch weitere Verhandlungen zu einer festen Übernahme eines mittlerweile vakant gewordenen Pfarrhofes, die aber nicht erfolgreich abgeschlossen werden konnten. In der Folge verließ die Bruderschaft Haus und Gelände und schlug vorübergehend ihr Quartier in Berlin-Mitte auf (Gedenkbibliothek zu Ehren der Opfer des Kommunismus, unmittelbar neben der Nikolaikirche), suchte aber zugleich nach einer längerfristigen Alternative für eine konkrete lokale, landeskirchliche Beheimatung.

Nach Kontaktaufnahme mit dem vormaligen Direktor der Evangelischen Akademie Thüringen im Zinzendorfhaus Neudietendorf, Dr. Thomas A. Seidel, entschied sich die Leitung der Bruderschaft zu einem Neustart ihrer Arbeit mit Schwerpunktsetzung im Bereich intellektueller Basisarbeit und geistig-geistlicher Missionstätigkeit in Thüringen. In diesem Zusammenhang fand vom 26. bis 28. April 2002 das I. Neudietendorfer Gespräch zur geistigen Situation der Zeit statt. Das Generalthema lautete: Gottlos, Wertlos, Sinnlos? Die Krise der materialistischen Gesellschaften des Westens und die Antwort des Christentums. Die Tagung, eingebettet wie alle weiteren Neudietendorfer Gespräche in die regulären Konvente der Bruderschaft, geriet zu einem als Gottesgeschenk dankbar wahrgenommenen, ermutigenden Erfolg.

Zu weiteren Erfahrungen dieser Art gehörte auch das gemeinsam mit der Evangelischen Akademie Thüringen und der Stiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur veranstaltete IV. Neudietendorfer Gespräch zum Thema: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen - Christlicher Widerstand in zwei deutschen Diktaturen, das vom 7. bis 9. Mai 2004 stattfand und u.a. Gespräche mit Zeitzeugen umfasste, darunter die letzten Überlebenden des Hitler-Attentats vom 20. Juli 1944, Freiherr Philipp von Böselager sowie Franz von Hammerstein, Theologe und Mitbegründer der Aktion Sühnezeichen, der nach dem 20. Juli als Mitglied einer unter Verdacht der Beteiligung am Staatsstreichversuch stehenden Familie in Sippenhaft geriet. Zu den bleibenden Ergebnissen gehört eine gemeinsame Publikation der wichtigsten Beiträge dieser und einer zeitgleichen, thematisch ähnlich angelegten Tagung der Universität Jena in einem Sammelband des angesehenen Verlagshauses Vandenhoeck & Ruprecht, der 2005 unter dem Titel Gott mehr gehorchen als den Menschen – Christliche Wurzeln, Zeitgeschichte und Gegenwart des Widerstands veröffentlicht wurde.

Vom 25. bis 28. Mai 2006 konnte zum VII. Neudietendorfer Gespräch eingeladen werden. Aus Anlass des 100. Geburtstages von Dietrich Bonhoeffer beschäftigte es sich mit der „Ethik“ des 1945 von den Nationalsozialisten hingerichteten christlichen Widerstandskämpfers und ihrer Relevanz für das 21. Jahrhundert. Am Abend zuvor fand in der Erfurter Predigerkirche ein durch umfangreiches Sponsoring ermöglichtes Gedenkkonzert für Dietrich Bonhoeffer statt. Unter Leitung von Prof. George Alexander Albrecht brachten die Weimarer Staatskapelle und der mdr-Rundfunkchor das „Deutsche Requiem“ von Johannes Brahms in der vormaligen Wirkungsstätte des großen deutschen Mystikers Meister Eckhart zu einer einzigartigen Aufführung.

Seit Herbst 2006 lädt nun die Bruderschaft ihre Mitglieder zu den Klausurkonventen und darüber hinaus weitere wache und interessierte Zeitgenossen zu den öffentlichen Tagungen in das Evangelische Augustinerkloster nach Erfurt, in Luthers Kloster, ein. Die Neudietendorfer Gespräche werden seitdem als Erfurter Gespräche zur geistigen Situation der Zeit fortgeführt. So fand beispielsweise vom 16. bis 18. November 2007 das VIII. Erfurter Gespräch statt zum Thema Protestantismus. Quellen und Horizonte einer christlichen Konfession mit bekannten Theologen, Philosophen, Politikern und Journalisten, darunter Landesbischof Prof. Dr. Christoph Kähler, Landtagspräsidentin Prof. Dr. Dagmar Schipanski und Dr. Michael J. Inacker, dem Vorsitzenden der Internationalen Martin Luther Stiftung, die in den Mauern des Augustinerklosters seit 2007 ihre Geschäftsstelle hat.

Eine große, grundlegend ökumenisch angelegte Tagung organisierte die Bruderschaft vom 26. bis zum 28. September 2008. Unter der Überschrift Gottesmutter und Seelenbraut. Evangelische Annäherungen an Maria unternahm dieser erneut sehr gut besuchte XXXIV. Konvent im Erfurter Augustinerkloster eine protestantische Positionsbestimmung und Wiederannäherung an jene, die weltweite Christenheit verbindende Credo-Aussage „geboren von der Jungfrau Maria“. Die Sammlung der Beiträge dieser Tagung – ergänzt um weitere, inhaltlich dazu passende, um einen Reigen eindrucksvoller fotografischer Marien-Darstellungen und um den Nachdruck von Martin Luthers Magnificat-Auslegung von 1521 – markiert (nach einer sporadischen Verlags-Kooperation mit dem Sammelband „Gottlose Jahre? Rückblicke auf die Kirche im Sozialismus der DDR“ von 2002) den Beginn einer intensiven Zusammenarbeit der Bruderschaft mit der Evangelischen Verlagsanstalt GmbH Leipzig unter der Federführung der Verlagschefin Annette Weidhas. 2011 wurde diese Frucht gemeinsamer geistig-geistlicher Arbeit im Weinberg des Herrn, dem ökumenischen Anliegen entsprechend, mit dem Bonifatius Verlag, Paderborn, unter dem Titel Maria. Evangelisch publiziert. 2014 schloss sich eine zweite, korrigierte Auflage an.

Zwanzig Jahre nach der friedlichen Revolution und der Wende organisierten vom 18. bis 20. September 2009 die Bruderschaft und der ihr angeschlossene Bonhoeffer-Haus e.V. gemeinsam mit der Konrad-Adenauer-Stiftung und der Landesbeauftragten für die Unterlagen des Ministeriums für Staatssicherheit der ehemaligen DDR, Hildigund Neubert, eine Tagung unter der Überschrift Geist und Revolution. Geschichtstheologische Fragen an die Umbrüche 1789 und 1989. Die Erträge dieser Tagung sowie die des XLVI. Konventes, der unter dem Generalthema Realitätsfinsternis. Reformation-Utopie-Politik am 16. und 17. November 2014 in Erfurt stattfand, bilden nun die Grundlage für die neue Schriftenreihe GEORGIANA. Neue theologische Perspektiven, deren erster Band 2015 unter dem Titel …wenn Gott Geschichte macht. 1989 contra 1789 bei der Evangelischen Verlagsanstalt Leipzig veröffentlicht wurde. Der mittlerweile 2017 vorgelegte zweite Band schließt als GEORGIANA 2 inhaltlich an das X. „Erfurter Gespräch“ (vom 12. bis 14. November 2010) an und somit an das Tagungsthema: Tod, wo ist dein Stachel? Todesfurcht und Lebenslust im Christentum.

In einer Situation der Anfechtung und des Konfliktes innerhalb der Bruderschaft zu Beginn des Jahres 2012 wurde ihr dreierlei hilfreich vor Augen gestellt, was zwar in der Ordensregel und in der Ordensverfassung angelegt ist, aber bislang noch nicht in die tägliche Praxis überführt worden war: 1.: Die bewusste Besinnung auf die „Gaben“, den Geschenkcharakter dieser kleinen geistlichen Gemeinschaft. 2.: Die mit dem Motto aus dem Petrus-Brief „Dienet einander…“ verbundene, intensive Frage nach den „Gaben und Aufgaben“, die die einzelnen Brüder in und für die Bruderschaft und für die Kirche und die Welt mitbringen. Und 3.: Das bewusste und gestaltete bruderschaftliche Gespräch, das in den drei gleich im zeitigen Frühjahr konstituierten Regionalkonventen im Norden (Hamburg), im Osten (Berlin) und im Süden (Erfurt) Deutschlands seither rege gepflegt wird. Diese Regionalkonvente treten nun, ca. ein Mal pro Quartal, zu den drei (internen bzw. öffentlichen) Jahreskonventen und tragen zu einer Vitalisierung des geistlich-kommunitären Lebens bei. Am Ende dieses Jahres 2012, fünfundzwanzig Jahre nach der Gründung, blickte die Bruderschaft hoffnungsfroh auf ihre evangelisch-lutherische Weggemeinschaft zurück. Der XLII. Jubiläumskonvent vom 16. bis 18. November 2012 thematisierte im Evangelischen Augustinerkloster zu Erfurt die selbstgewählten Aufgabe des Ordens: Vom Sinn des gemeinschaftlichen Lebens. Tradition – Symbolik – Auftrag. Die Eröffnungsrede hielt der Rektor der Friedrich Schiller Universität Jena, Prof. Dr. Klaus Dicke. Die Ergebnisse dieser Tagung wurden – ergänzt um weitere für das Selbstverständnis und den Auftrag der Bruderschaft relevante Aufsätze und ganz persönliche Zeugnisse von Georgsbrüdern und Ordensdokumente – unter der Überschrift Dienet einander… Die Evangelische Bruderschaft St. Georgs-Orden in einer reich bebilderten Jubiläumsbroschüre gebündelt und 2014 im Eigenverlag veröffentlicht.

Diese weitgehend positiven Erfahrungen, zu denen sowohl die konstruktiven Gespräche mit Christoph Kähler in seiner Amtszeit als Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen, als auch finanzielle Zuschüsse zu offenen Konventen der Bruderschaft durch den Landeskirchenrat gehören, führten dazu, dass sich die Ordensleitung und das Ordenskapitel entschloss, den Freistaat Thüringen, die mitteldeutschen Lutherländer und die seit 2009 gebildete Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) als kirchenorganisatorische und landsmannschaftliche Ausgangsbasis für die öffentliche wie interne Tätigkeit der Bruderschaft in Zukunft dauerhaft zu nutzen. Zu dieser Perspektive gehörte die feste Absicht, die weitere Arbeit der Bruderschaft von einem festen Haus aus mit Geschwistern vor Ort intensiv zu betreiben.

Das Anknüpfen der Bruderschaft an die trikonfessionelle Tradition des Deutschen Ordens sowie ihr konsequenter Bezug auf Theologie, Persönlichkeit und Folgewirkungen Martin Luthers sowie Dietrich Bonhoeffers geben den Mitgliedern der Bruderschaft zusätzliche spirituelle Gründe und Anregungen, ihre Anwesenheit in Thüringen, dem Land, in dem der Deutsche Orden schon früh eine starke kirchliche und diakonische Stellung innehatte und wo die lutherische Reformation sich rasch und nachhaltig etablieren konnte, nicht einfach als Zufall, sondern durchaus als göttliche Fügung und wundersame Führung anzusehen.

Ende 2010 ergab es sich, dass die Etappe der „Heimatsuche“ abgeschlossen zu sein schien, indem die Bruderschaft ihren festen Sitz in der Erfurter Georgenburse (Luthers Studentenquartier 1501-1505), unweit der weltweit bekannten Lutherstätte Augustinerkloster (1505-1511) und der Elisabeth-Kapelle im Nikolaiturm (vormalig zur Deutschordenskomturei Erfurt gehörig) nehmen konnte. Dort verwaltete sie in Kooperation mit dem Augustinerkloster und im Auftrag eines Trägervereins, zu dem auch der Bonhoeffer-Haus e.V. gehört, eine ökumenische Pilgerherberge sowie die öffentliche Nutzung der in der Georgenburse errichteten kleinen musealen Präsentation „Studienort der Lutherzeit“. Seit 2011 zählt zu dieser Praxis, die Gaben und Aufgaben der Bruderschaft mit Blick auf die eigenen „theologischen Mentoren“ Luther und Bonhoeffer in die Auseinandersetzungen der Zeit und der Gemeinden vor Ort einzubringen, der Bonhoeffer-Studienkreis, der seitdem drei bis vier Mal pro Jahr in Erfurt stattfindet. Aus finanziellen Gründen konnte die Nutzung der Georgenburse leider nicht fortgeführt werden. Gemeinsam entschied der Trägerkreis 2018, das Haus zu verkaufen. Noch im gleichen Jahr bezog die Bruderschaft auf Anregung des Kurators des Augustinerklosters, Carsten Fromm, ein „Ordensbüro“ im „Haus der Versöhnung“ (dem Neubau der vormaligen Klosterbibliothek).

Die praxis pietatis – das regelmäßige, tägliche geistliche Leben der Brüder in der Bruderschaft – erhielt unter Leitung von Pfarrer Thomas A. Seidel, der von 2004 bis 2019 als Spiritual des Ordens fungierte, weitere Impulse. Dazu zählt die tägliche Lesung der Herrnhuter Losung, das abendliche Bruderschaftsgebet und die Meditation des Stundenbuchs des Ordens, das 2013 – versehen mit Bildern des Ersten Landkomturs Jürgen K. Hultenreich – neu herausgegeben wurde. Der Ordensspiritual bildet das ordentlich und kirchlich legitimierte Bindeglied zwischen der Bruderschaft und der Landeskirche.

Die Bruderschaft besteht aus Mitgliedern in abgestuften Bindungsgraden (Orden, Ordensschild) und einem breiten Freundeskreis (Gastbrüder), der deutschlandweit wohnhaft ist. Seit dem 20. Dezember 2010 ist die Bruderschaft in die Liste der geistlichen Gemeinschaften und Kommunitäten der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) aufgenommen. Die Approbation der Evangelischen Bruderschaft St. Georgs-Orden als anerkannte geistliche Gemeinschaft der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) wurde durch den Landeskirchenrat am 7. Dezember 2013 beschlossen.

Eine weitere Erfahrung guter, ertragreicher Zusammenarbeit mit der Konrad-Adenauer-Stiftung war der große offene Konvent vom 14. – 16. Oktober 2016 unter dem Thema: Würde und Willkür. Theologische und philosophische Voraussetzungen des Grundgesetzes. Der textliche Ertrag dieser Tagung, an der u.a. Prof. Dr. Wilfried Härle, Prof. Dr. Heinrich Oberreuther und Dr. Nino Galetti mitwirkten, bildete – erweitert um Beiträge von Thibaut de Champris, Prof. Dr. Dr. Udo Di Fabio, Dr. Dr. Benjamin Hasselhorn, Dr. Alexander Kyrleschlew, Dr. Friedemann Richert, Ulrich Schacht und Dr. Thomas A. Seidel – die Grundlage für die Veröffentlichung von GEORGIANA 3.

Im unmittelbaren Vorfeld zu dieser Tagung fand eine Sonderveranstaltung in der Reihe des Bonhoeffer-Studienkreises statt. Dabei diskutierten am historischen Ort, im Kapitelsaal des Augustinerklosters, wo sich fünf Jahre zuvor, am 23. September 2011, die Delegationen von EKD und katholischer Bischofskonferenz mit dem deutschen Papst Benedikt XVI. getroffen hatten, der Propst von Halle-Wittenberg, Dr. Johann Schneider, die katholische Systematikerin Prof. Dr. Johanna Rahner und der Leiter der Bruderschaft Ulrich Schacht zum Thema und zur Frage: Der Papst und Martin Luther heute. Ökumenische Impulse von Benedikt XVI.?

Ein besonderes, die Bruderschaft beglückendes Erlebnis bildete im 30. Jahr ihres Bestehens die kurzzeitige Rückkehr auf dänisch-lutherischen Boden. Vom 9. bis 12. Juni 2017 konnten die Brüder gemeinsam mit dänischen Pfarrerinnen und Pfarrern einen Festkonvent in den eindrucksvollen Räumlichkeiten des Løgumklosters gestalten und genießen. Prof. Dr. Eberhard Harbsmeier – vormaliger, langjähriger Direktor des Predigerseminars, das in diesem ehemaligen Zisterzienserinnenkloster untergebracht ist – sorgte gemeinsam mit dem Ordensspiritual und dem Kopenhagener Propst Mikkel Wold maßgeblich für ein überaus geist- und erlebnisreiches Wochenende. Das Vokalensemble des Løgumklosters führte während des klangvollen Konzerts am 10. Juni in der Klosterkirche (darunter auch das „Ave Maria“) „Three sacred peaces“ des amerikanischen und 2013 in Bayern verstorbenen Komponisten Gordon Sherwood auf, zu dem Ordensmarschall Heiner Sylvester bereits 1996 eine eindrucksvolle Filmdokumentation unter dem Titel „Der Bettler von Paris“ gedreht hatte. Die Tage in Dänemark standen unter der Überschrift: …und üben gute Ritterschaft. Bernhard von Clairvaux und Martin Luther - ein theologischer Dialog und seine aktuellen Konsequenzen.

Das Jahr 2018 brachte mit dem plötzlichen Tod des Ordensgründers und Großkomturs große Trauer und Leid über die Brüder und den Freundeskreis des Ordens. Am 16. September ist unser Bruder Ulrich von Wismar (so sein Ordensname), friedlich lächelnd im Sessel sitzend in seinem traumhaften roten Schwedenhaus oberhalb von Förslöv in Skåne, mit dem weiten Blick aufs Meer, dorthin gegangen, von wo wir alle kommen. Am 10. Oktober 2018 fand in der Hamburger St.-Gertrud-Kirche die Trauerfeier statt, an die sich ein schmerzvolles und (gewiss im Sinne des Verstorbenen) mitunter auch recht heiteres Zusammensein mit Familie, Freunden und Weggefährten im Hamburger Literaturhaus am Schwanenwik anschloss. Bruder Ulrich wurde in seiner schwedischen Wahlheimat, unweit von Förslöv, auf dem Friedhof der Marienkirche von Båstad beigesetzt.

Der lange (noch mit Ulrich Schacht) geplante Herbstkonvent fand mit freundlicher Unterstützung durch die EKM vom 26. bis 28. Oktober 2018 unter dem Thema Coram Deo versus homo Deus. Christliche Humanität statt Selbstvergottung im Erfurter Augustinerkloster statt. In diesen Konvent eingebunden war ein feierlicher Gedenkgottesdienst für den verstorbenen Großkomtur am 27. Oktober in der von ihm geliebten Augustinerklosterkirche. Die Erträge aus dieser Tagung sollen unter diesem Titel die Grundlage für GEORGIANA 4 bilden. Thomas A. Seidel konnte in Abstimmung mit der Ordensleitung den renommierten Publizisten, Schriftsteller und langjährigen Freund der Bruderschaft, Dr. Sebastian Kleinschmidt, als künftigen Mitherausgeber der GEORGIANA-Reihe gewinnen.

Im (internen) Frühjahrskonvent vom 26. bis 28. April 2019 wählte die Bruderschaft in geheimer Wahl ihren bisherigen Spiritual Bruder Thomas von Neukirchen (der bereits im Frühjahrskonvent am 16. April 2016 unter Mitwirkung des Leiters der Michaelsbruderschaft, Dr. Frank Lilie, als „Landkomtur“ in die Bruderschaft aufgenommen worden war) zum neuen Großkomtur. Am 27. April 2019 wurde er im Konventsgottesdienst der Bruderschaft in der Augustinerkirche eingesegnet. Bei der feierlichen Einführung in sein Amt wurde ihm von der Ordensleitung das Ordenskreuz seines Vorgängers Bruder Ulrich, selig, um den Hals gelegt und – neben der Ordensregel und der Ordensverfassung – auch das Ordensschwert überreicht. Damit obliegt ihm nun die Leitung der Evangelischen Bruderschaft St. Georgs-Orden, die unter dem Segen des dreieinigen Gottes stehen möge, getreu dem Wort der heiligen Schrift:

Dienet einander; ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes. (1. Petrusbrief 4, 10)


Kontakt und weitere Informationen:

Pfarrer Dr. Thomas A. Seidel, Großkomtur (Leiter)
der Evangelischen Bruderschaft St. Georgs-Orden (StGO)
& Vorstandsvorsitzender des Bonhoeffer-Haus e.V.
im Evangelischen Augustinerkloster Erfurt
Augustinerstraße 10
99084 Erfurt
www.georgsbruderschaft.de